FFBIZ - das feministische Archiv

 

Sammeln – Bewahren – Erinnern

Die Frauenbewegungen haben schon viel erreicht, doch bis zur völligen Gleichstellung aller Menschen ist es noch ein langer Weg. Auch jene Menschen, die sich heute feministisch engagieren, können vom Blick in die Geschichte profitieren: Welche Zusammenhänge haben sich damals schon abgezeichnet? Mit welchen Strategien feierten unsere Vorkämpferinnen Erfolge? Welche Konflikte konnten gelöst werden und welche führten in eine Sackgasse

Alle, die Frauenbewegungsgeschichte im Kontext verstehen wollen, werden im FFBIZ fündig. Das feministische Archiv FFBIZ beherbergt die größte thematische Sammlung zur sog. „Neuen Frauenbewegung“ (seit 1968) in Deutschland.

Geschichte des FFBIZ

Den Anstoß zur Gründung des FFBIZ gab im Jahr 1977 eine Konferenz von traditionellen Frauenverbänden und autonomen Frauengruppen in Westberlin. Dort erfuhr eine Gruppe autonomer Frauen, dass aufgrund von ernsthaftem Raum- und Geldmangel die Existenz der Bibliothek und des Archivs der Helene-Lange-Stiftung gefährdet war. Beide befanden sich damals im Besitz des Berliner Frauenbunds 1945 e.V. Die Initiativgruppe für ein Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrum (FFBIZ) kam erstmals im Februar 1978 zusammen und veröffentlichte einen Aufruf in der Frauenzeitung Courage. In dem Beitrag schilderten die Frauen ihre Idee und baten um Unterstützung. Am 16. Februar 1980 öffnete das FFBIZ schließlich seine Pforten in der Danckelmannstraße 13 in Berlin-Charlottenburg.

Ein breites Bündnis von Einzelfrauen, Vertreterinnen traditioneller Frauenverbände, Parteien und Gruppen der autonomen Bewegung trug die Gründung des Zentrums mit. Die Gründerinnen schreckten auch nicht vor einer Hausbesetzung zurück, als niemand ihnen Räume vermieten wollte. Während die Helene-Lange-Bibliothek letzten Endes an das Landesarchiv Berlin überging, übernahm das FFBIZ gleich nach seiner Gründung eine Sammlung des Lesbischen Aktionszentrums als ersten Bestand, die über den ersten Berliner Frauenbuchladen Labrys vermittelt wurde.

Von Anfang an war das FFBIZ weitaus mehr als ein Archiv, denn es wirkte als Frauenforschungs-, -bildungs- und -informationszentrum der sonst so rigiden und hierarchischen Trennung zwischen universitärer Forschung und außeruniversitären Frauenzentren entgegen. Hier konnten sich alle interessierten Frauen einbringen, arbeiten, gestalten und diskutieren: Junge und Alte, Lesben und Heteras, Mütter und Kinderlose. In Arbeitsgruppen wurde getagt und geforscht, politische Kampagnen geplant, einige Frauen bauten eine Galerie auf. Nebenbei wuchs auch das Archiv.

Heute ist das FFBIZ die älteste Forschungsinitiative, die im Zuge der Neuen Frauenbewegung bewusst außerhalb der Hochschulen und anderer etablierter Einrichtungen als Selbsthilfeprojekt gegründet wurde. Seit Mitte der 1990er-Jahre liegt der Schwerpunkt des FFBIZ auf der Archivarbeit. Gleichzeitig ist das FFBIZ ein Ort, der nicht allein feministische Geschichte dokumentiert, sondern auch zwischen feministischen Generationen und Strömungen vermittelt.

Der Berliner Senat fördert das feministische Archiv inzwischen als Frauenprojekt. Während das FFBIZ bis 2002 fest mit dem Bezirk Berlin-Charlottenburg und der Danckelmannstraße verknüpft war, befindet sich das Archiv seit 2003 zur Untermiete im Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin-Friedrichshain.

Archiv und Bibliothek

In den gekühlten und sauerstoffreduzierten Kellerräumen des FFBIZ-Archivs finden sich in säurefreien Kartons Nachlässe, Fotos, Plakate, Audio- und Videomaterial, Demotransparente und vieles mehr. Die Bestände umfassen mehr als eine Million Informationseinheiten zu Themen wie etwa Frauenhäuser oder Militanz in der Frauen-/Lesbenbewegung, zu den kontroversen Diskussionen über Sexarbeit/Prostitution, Gen- und Reproduktionstechnologien oder zum Kampf gegen den § 218 StGB früher und heute. Die Dokumente stammen aus Berlin, der Bundesrepublik und der ganzen Welt. Der Sammelschwerpunkt liegt auf dem Zeitraum ab 1968. Im Archiv befinden sich darüber hinaus Frauennachlässe ab dem Jahr 1890 sowie Bücher ab der Ersten deutschen Frauenbewegung ab 1792. Außerdem dokumentiert das FFBIZ aktuelle Aktionen und Kampagnen wie „Aufschrei“, „One Billion Rising“ oder die Proteste gegen den sog. „Marsch für das Leben“ sowie die darum kreisenden Debatten in Blogs, auf Portalen und in anderen Online-Medien, einschließlich queer-feministischer Perspektiven und Diskussionen.

·         Nachlässe und Autografen von Feministinnen, bekannten und weniger bekannten Frauen, z.B. Hildegard Radusch (1903–1994), Gudula Lorez (1944–1987), Helga Goetze (1922–2008), Suzanne Seeland (1943–2009) und Annemarie Tröger (1939–2013)

·         etwa eine Million Einzeldokumente – wie z.B. Protokolle, Ankündigungen, Aufrufe, aber auch Anträge, Personalunterlagen, Einladungen etc. – von Fraueninitiativen, -vereinen und -verbänden (z.B. Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, Hydra, Frauenoffensive, zahlreiche Frauen- und Mädchenhäuser, Frauenzentrum Berlin, Women and Life on Earth [WLOE], LaDIY-Feste, die Gruppe Rote Zora etc.) aus den 1960er-Jahren bis heute

·         über 5.000 Plakate

·         ca. 5.000 Fotografien und historische Fotoalben

·         ca. 1.000 Zeitschriftentitel

·         ca. 800 Film- und Tonaufnahmen (Dokumentationen, Interviews, Spielfilme)

·         ca. 500 Aufkleber und Buttons

·         ca. 10.000 Buchtitel in der Bibliothek

 

Die FFBIZ-Bestände sind benutzer*innenfreundlich online über eine Datenbank recherchierbar. Eine ausführliche Auflistung von Themen und Sammelschwerpunkten finden Sie hier.

Wir bieten unseren Nutzer*innen

·         Zugang zu Archiv und Bibliothek

·         Einblick in die Archivarbeit, von Archivführung bis Praktikum

·         Thematische Unterstützung bei Forschungsarbeiten, ob MSA- oder Oberstufenarbeit, Dissertation oder darüber hinaus

·         Auftragsrecherchen zu Bewegungsgeschichte, Frauen- und Geschlechterforschung

·         Beratung zum eigenen Vermächtnis und Hilfe bei der Sicherung von Nachlässen

·         Vermittlung von Kontakten zu Wissenschaftler*innen, ehemaligen und gegenwärtigen Aktivist*innen sowie zu Netzwerken

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Eldenaer Straße 35 III

10247 Berlin

Weitere Informationen, etwa die aktuellen Öffnungszeiten, finden Sie auf www.ffbiz.de oder auf unserer Facebook-Seite.

 

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